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Kaffeehauskultur

Amedeo Preziosi [Public domain], via Wikimedia Commons

Kaffeehäuser? Da denkt man zuerst an Wien.

Obwohl sich im 17. Jahrhundert die ersten Kaffeehäuser in Italien, England und Frankreich etablierten und das erste deutsche Kaffeehaus in Bremen ebenfalls bereits 10 Jahre eher seine Pforten öffnete als in Wien, ist nirgends die Kaffeehauskultur bis heute so präsent.

2011 wurde die Wiener Kaffeehauskultur sogar zum Weltkulturerbe ernannt.

Die Legende besagt, dass die Wiener während der Befreiung von der Türkenbelagerung 1683 einige Säcke gefüllt mit seltsamen Bohnen fanden, die sie für Kamelfutter hielten und verbrennen wollten. König Jan III soll diese seinem Offizier Kolschitzky übergeben haben.

Dieser witterte, dass der Inhalt ein besonderer sein musste, probierte aus und gründete kurz darauf das erste Kaffeehaus.

Das neue Getränk erfreute sich schnell großer Beliebtheit, so dass die Zahl der Kaffeehäuser schnell anstieg. Anfang des 20.Jahrhunderts zählte Wien 600 dieser Einrichtungen.

In der Frühzeit der Kaffeehäuser waren die Kaffeevarianten noch namenlos. Der Kellner reichte dem Gast eine Farbpalette, auf der die Stärke des Kaffees in Farbabstufungen von schwarz bis milchig-weiß abgebildet war, woraufhin dieser die gewünschte Farbe aussuchte.

Dabei war die Grundzubereitung immer gleich:

Der Kaffee wird in ganz Wien gekocht und nicht gebrüht. Die bestimmte Menge ganz fein geriebenen Kaffees wird in das kochende Wasser geschüttet, mit einem Löffel umgerührt, und nachdem sie einige male aufgewallt ist, in die Aufzugmaschine geschüttet, worauf diese sehr langsam aufgezogen wird. Vielfach wird dem Kaffee mit Wasser gesprudeltes Eigelb beigefügt, um den Kaffee zu klären. Der aufgezogene reine Kaffee wird dann in gutschließenden Porzellankannen im Wasserbade heiß gehalten.

– F. J. Beutel: Die modernen Getränke – 1212 Rezepte mit 68 Abbildungen, Heinrich Killinger Kochkunstverlag, Leipzig und Nordhausen, 2. Auflage, undatiert (ca. 1925)

Wie man sich das Treiben in einem Kaffeehaus vorzustellen hat, wird durch dieses Zitat deutlich:

„Es stellt eine Institution besonderer Art dar, die mit keiner ähnlichen der Welt zu vergleichen ist. Es ist eigentlich eine Art demokratischer, jedem für eine Schale Kaffee zugänglicher Klub, wo jeder Gast für diesen kleinen Obolus stundenlang sitzen, diskutieren, schreiben, Karten spielen, seine Post empfangen und vor allem eine unbegrenzte Zahl von Zeitungen und Zeitschriften konsumieren kann. Täglich saßen wir stundenlang, und nichts entging uns.“

– Stefan Zweig

Café Eiles, Josefstädter Straße 2, Wien

Café Eiles, Josefstädter Straße 2, Wien. By Welleschik (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Viele dieser Wiener Lokale, traditionell mit schwarzer Thonet-Bestuhlung und kleinen Marmorplattentischchen ausgestattet, haben sich bis heute ihren ursprünglichen Charme bewahrt. Sie erfreuen sich gerade in den letzten Jahren wieder großer Beliebtheit und dienten sicherlich als Inspiration für Angebot und Ausstattung großer Kaffeeausschankkonzerne.

 

 

Quelle Titelbild: Amedeo Preziosi [Public domain], via Wikimedia Commons

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